Aus der Festschrift

Festakt
Großübung
Tag der offenen Tür

100 Jahre Freiwillige Feuerwehr Friedrichsfeld

Gründung und Entwicklung der Wehr

Die Gründunsgsurkunde

Die Wehr wurde am 25. Oktober 1905 von dem Kameraden Jakob Schnabel, Heinrich Weinkötz, Philipp Bürk, Fritz Metz, Martin Marquetant, Eugen Zollinger, Adam Sponagel, August Ries, Georg Ries, Heinrich Geiger, Johann Sauer, Heinrich Dehoust, Fritz Gembe, Peter Maaß, Fritz Laib und Martin Illig und andere in der noch heute bestehenden Wirtschaft "Zum Pfälzer Fritz" gegründet. Ebenfalls wurde dort die erste Abteilungsführung gewählt werden.

So sollte Martin Marquetant zum 1. Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehr Friedrichsfeld gewählt werden. Neben Adjutant Jakob Schnabel wurden ihm durch Wahl Eugen Zollinger als Hauptmann der Steigermannschaft, Fritz Metz als Hauptmann der Spritzenmannschaft sowie Requisitenmeister Adam Sponagel zur Seite gestellt.

Der damalige Bürgermeister Jakob Dehoust IV setzte sich zusammen mit dem gesamten Gemeinderat ausdrücklich für die neugegründete Feuerwehr ein. So wurden Uniformen, eine Spritze, die noch heute im Feuerwehrhaus Friedrichsfeld bestaunt werden kann, Schläuche und sonstige Requisiten angeschafft. Bereits im Juli 1906 trat Kommandant Jakob Schnabel von seinem Amt zurück. Zu seinem Nachfolger wurde der bisherige Adjutant Jakob Schnabel gewählt. Dessen bisherige Aufgaben als Adjutant übernahm Johann Ullmer.

Am 31.08.1906 wurde der Beschluss gefasst, eine fahrbare Leiter anzuschaffen. Jene Leiter, die bei der Ulmer Firma Ewald Lieb bestellt wurde, sollte, da im Ort verschiedene Brände ausgebrochen waren, gleich in den ersten Jahren nach der Wehrgründung ihr Können unter Beweis stellen. Da Adjutant Johann Ullmer im Jahre 1909 aus Friedrichsfeld verzog, wurde Heinrich Dehoust, der den Rang eines Hauptmannes inne hatte, zu seinem Nachfolger gewählt.

Aufgrund des 1. Weltkrieges musste die Wehr in den Jahren 1914 - 1918 eine große Anzahl eingerückter Kameraden entbehren. Allein zwölf Kameraden vielen den Kriegswirren zum Opfer. Nach Kriegsende ging man guten Mutes eifrig den Wiederaufbau der Wehr an. Krankheitsbedingt musste die bisherige, aus den Kameraden Jakob Schnabel und Heinrich Dehoust bestehende Abteilungsführung ihr jeweiliges Amt niederlegen.

In das neue Kommando wurde Kommandant P. Grimmig sowie Adjutant G. Ries gewählt. Darüber hinaus wurde in einer am 05. April 1924 stattgefundenen Verwaltungsratsitzung beschlossen, den früheren Kommandanten Jakob Schnabel zum Ehrenkommandanten sowie seinen langjährigen Adjutanten Heinrich Dehoust zum Ehrenadjutanten zu ernennen. Aufgrund eines Großbrandes bei der Firma Reis & Co. musste zur erfolgreichen Brandbekämpfung die Berufsfeuerwehr Heidelberg sowie die Stationsfeuerwehr Seckenheim angefordert werden. Gemeinsam wurde man der Flammen Herr. Am 20. April 1929 gab Kommandant P. Grimmig sein Amt auf. Zu seinem Nachfolger wurde der bisherige Hauptmann J. Sauer gewählt.

Im August des Jahres 1930 feierte die Wehr ihr 25-jähriges Bestehen. Die Feierlichkeiten fanden damals auf dem Platz beim Bernhardushof statt. Im Jahre 1938 musste J. Sauer infolge eines Leidens sein Amt als Kommandant aufgeben. Vom Oberkommando Mannheim, dem die Wehr seit der Eingemeindung am 1. Oktober 1930 unterstellt war, wurde der bisherige Löschmeister J. Schubert zum Kommandanten bestimmt. Als im Jahre 1939 der 2. Weltkrieg ausbrach und Kommandant Schubert in den neu gebildeten Sicherheits- und Hilfsdienst einberufen wurde, übernahm Löschmeister M. Hollerbach das Kommando der Wehr. Da andauernd Kameraden zur Wehrmacht einrücken mussten, wurde auf Anordnung des Polizeipräsidenten neue Mannschaften gebildet. Hierzu wurden meist jüngere sowie nicht mehr dienstpflichtige ältere Kameraden herangezogen. Während des Krieges wurden sämtliche Wehrleute dienstverpflichtet und dem Polizeipräsidium unterstellt. Die Feuerschutzpolizei stellte der Wehr ein Löschfahrzeug LF 8 zur Verfügung. Derart motorisiert konnte die Wehr nunmehr im gesamten Stadtgebiet eingesetzt werden.

Der erste größere Fliegerangriff erfolgte am 17.April 1943. Hierbei wurde das Haus des Kaufmannes R. Richter zerstört und mehrere Häuser beschädigt. So wurde die Scheune von Peter Weidner in der Neudorfstraße und das Kohlelager von G. Lutz durch Brandbomben in Brand gesetzt. Ein schnelles Eingreifen der Feuerwehr verhinderte ein Ausbreiten des Feuers. Leider gab es an jenem Tag auch mehrere Tote zu beklagen. Am 9. September 1944 erfolgte ein weiterer Bombenangriff auf Friedrichsfeld, wobei das Gasthaus "Zur Rose" schwer beschädigt wurde. Der dazugehörige Tanzsaal wurde vollständig zerstört. Da in dem Saal ein Lager von Papierschnur und Hanfseilen einer Mannheimer Firma eingerichtet war, konnte das Feuer im Saal nur mühsam gelöscht werden.

In den Jahren 1943-1945 wurde der Friedrichsfelder Löschzug zur Brandbekämpfung in Mannheims Innenstadt, Neckarau, Rheinau, Lindenhof und Käfertal, Fliegerhorst eingesetzt. In jener Zeit kam es zu über 25 Einsätzen. Auch bei den während der Kriegsjahre erfolgten ca. 800 Alarmierungen zeigte sich die Wehr stets einsatzbereit. Infolge seines hohen Alters legte Martin Hollerbach nach Beendigung des Krieges sein Kommando nieder. Am 5. Mai 1946 wurde er von dem Kriegsheimkehrer Theodor Steinbrunner nach vollzogener Wahl beerbt. In den Folgejahren konnte die Wehr durch rastloses Werben abermals zu einer schlagkräftigen Mannschaft gedeihen. Am 26. Juli 1948 rückte die Wehr mit 15 Mann zu einem Großbrand auf dem Gelände der Anilin- und Sodafabrik Ludwigshafen (heute BASF) aus.

Im Jahre 1955 feierte die Wehr ihr 50-jähriges Jubiläum. Die Feierlichkeiten fanden an einem verlängerten Juliwochenende unter Mitwirkung befreundeter Wehren statt. Neben dem Feuerwehrwahlspruch "Gott zur Ehr - dem nächsten zur Wehr!" hatte man sich in der damaligen Festschrift auch das Motto "Eine für alle - alle für einen" zueigen gemacht. Und tatsächlich sollte die Geschichte der Wehr auch in den Folgejahren mit einem besonders ausgeprägten Zusammenhalt fortgeführt werden.

Ein unruhiges Weihnachtsfest bescherte den Kameraden zu Heiligabend 1961 ein Großbrand in der Steinzeugfabrik Friedrichsfeld. Im Jahre 1965 gab Kommandant Steinbrunner sein Amt auf. Als Nachfolger wurde im selben Jahr Willi Hick gewählt.

In den 1970er Jahren waren zwei Großeinsätze zu verzeichnen. So wurden die Friedrichsfelder Blauröcke im Jahre 1974 zu einem Großbrand im Rheinauer Hafen befohlen. Der Waldbrand bei Blumenau hielt die Wehrleute 1976 in Atem. Aus Altersgründen ließ sich Kamerad Hick bei den Kommandantenwahlen im Jahre 1975 nicht mehr aufstellen. Als sein Nachfolger wählte die Abteilung Kamerad Gerhard Wolf. Da Kommandant Wolf aus beruflichen Gründen das Kommando 1979 abgeben musste, wählte die Wehr Kamerad Wolfgang Schönbrod zu seinem Nachfolger.

Anfang der 1980er Jahre wurden der Wehr zwei moderne Löschfahrzeuge LF 8 des Herstellers Mercedes Benz mit Ziegler-Aufbau überstellt, welche die bisherigen Einsatzfahrzeuge - LF 8 der Marke Hanomag mit Bachert-Aufbau, Tanklöschfahrzeug TLF 8 (Unimog aus Bundeswehrbeständen) und Tragkraftspritzenanhänger TSA - ablösten. Kommandant Schönbrod stellte sein Kommando aus beruflichen Gründen bereits im Jahre 1981 zur Verfügung, was noch im selben Jahr Neuwahlen notwendig werden ließ. Die Mannschaft wählte Kamerad Michael Mühlbauer zu ihrem neuen Abteilungskommandanten. Drei Jahre später sollte die Abteilung wieder zur Urne schreiten, um einen Nachfolger für den zurückgetretenen Kommandanten Mühlbauer zu wählen. Nach der Wahl übernahm Kamerad Gerhard Wolf zum zweiten Mal die Aufgaben eines Abteilungskommandanten. Im Jahre 1987 musste die Abteilung tagelang Brandwache in Rheinauhafen halten. Dort brannte ein Kohleberg, der noch Tage nach dem eigentlichen Schadenereignisses glühte. Bei der in 1988 stattfindenden Wahl zum Abteilungskommandanten übernahm Kamerad Klaus Lillie das Kommando über die Wehr. Ebenfalls im Jahre 1988 feierte mit Hermann Fuchs das dienstälteste Mitglied der Wehr sein 40. Dienstjubiläum.

Im Jahre 1994 wurde die Jugendgruppe der Wehr gegründet. Es kam zu einem erwähnenswerten Großeinsatz, bei welchem die Friedrichsfelder Wehrleute 1995 bei der Brandbekämpfung eines Feuers in der alten Posthalle der US-Army in Rheinau beteiligt waren. Im selben Jahr feierte die Wehr ihr 90-jähriges Bestehen mit einem zweitägigen Tag der offenen Tür, der allerhand Überraschungen, wie beispielsweise eine Modenschau, bereit hielt. Mitte der 1990er Jahre wurde der Friedrichsfelder Wehr ein weiteres Löschfahrzeug LF 8, dass zuvor seinen Dienst in der Abteilung Wallstadt verrichtete, überstellt. Im Mai 1998 feierte die Wehr zusammen mit Kamerad Hermann Fuchs dessen 50-jähriges Dienstjubiläum. Am 18.09.1998 wurde der Jugendabteilung im Rahmen des alljährlich stattfindenden Tages der offenen Tür ein Jugendcontainer durch den Stadtfeuerwehrverband feierlich übergeben. Ende 1999 musste eines der fast zwanzig Jahre alten Löschfahrzeuge LF 8 einen Tanklöschfahrzeug TLF 8 (Unimog) weichen. Jenes Einsatzfahrzeug wurde von der Feuerwache Nord überstellt, da die Abteilung bisher nicht über ein wasserführendes Fahrzeug verfügte.

Im Sommer 2001 wurde die Abteilung aufgrund eines starken Unwetters im gesamten Stadtgebiet eingesetzt. Im September des selben Jahres fand die Weihe der zuvor neu angeschafften Feuerwehrfahne statt. Dem unermüdlichen Einsatz des damaligen Kommandanten Lillie ist es zu verdanken, dass durch Spendeneinnahmen die Finanzierung der Fahne bald gesichert war. Die Amtszeit von Kommandant Lillie endete zum 31.12.2003. Zu seinem Nachfolger wählte die Abteilung Kamerad Markus Behlau, der die Wehr seit 01.01.2004 führt. Gleich zwei Großeinsätze kamen Anfang 2004 auf die Wehr zu. So wurde ein Fahrzeug der Abteilung zu einem Großbrand auf das Gelände der SCA AG befohlen. Im Februar des selben Jahres galt es, ein Feuer bei der Eichbaum Brauerei zu bekämpfen. Seit 17. März 2005 verrichtet ein nagelneues Löschfahrzeug LF 8/6 in der Friedrichsfelder Wehr seinen Dienst. Das neue Fahrzeug wird der Wehr bei der Bewältigung der immer anspruchsvoller werdenden Aufgaben eine enorme Hilfe sein.

Derzeit gehören der Wehr 31 Kameradinnen und Kameraden an, wovon 1 Kamerad der Altersmannschaft und 8 Jungen und Mädchen der Jugendgruppe der Abteilung angehören. Wir werden auch in den kommenden Jahren die Erhaltung der Einsatzfähigkeit, den Ausbau der Abteilung sowie die Kameradschaftspflege als oberste Ziele verstehen und die Friedrichsfelder Feuerwehr im Sinne unserer Vorgänger unter dem Wahlspruch

"Gott zur Ehr - dem nächsten zur Wehr!"
und
"Einer für alle - alle für einen!"

weiterführen.

Thorsten Gärtner
aus der Festschrift 100 Jahre Freiwillige Feuerwehr Friedrichfeld